Gründächer in Wien: welche Dächer eines tragen könnten
3 339 Hektar Wiener Dachfläche sind flach genug für eine Begrünung — 55 %. Hier aus dem amtlichen Dachmodell der Stadt gerechnet, Gebäude für Gebäude, alle 23 Bezirke.
Ein Gründach ist keine Frage des Geschmacks, sondern der Neigung. Substrat bleibt auf einem flachen Dach liegen und rutscht von einem steilen ab, und diese eine Tatsache entscheidet, welches Wiener Dach überhaupt eines tragen könnte. Die Stadt Wien hat die Grenze längst gezogen — bis 5° trägt ein intensiver Aufbau so gut wie ein extensiver, bis 20° ein extensiver. Was gefehlt hat, ist eine aktuelle Antwort für die ganze Stadt, Dach für Dach.
Also ist es hier durchgerechnet. Die Stadt veröffentlicht ihr generalisiertes Dachmodell als offene Daten: jedes Gebäude, jede Dachfläche, als Geometrie. Für jedes der 195 172 Gebäude darin wird jede Fläche zu einem 3D-Polygon, dessen Neigung gegen das Lot ihre Dachneigung ist. In die Klassen der Stadt einsortiert und summiert: auf 6 068 Hektar Dachfläche liegen 3 339 Hektar, die flach genug sind — 55 %, und damit rund 8,0 % der gesamten Wiener Stadtfläche.
Eine eigene Rechnung ohne fremden Vergleich ist eine Behauptung, also hier der Vergleich. So gemessen, wie ein Luftbild ein Dach sieht — waagrecht projiziert —, ergeben diese Dächer 5 533 Hektar. Die Stadt hat ihre Dachfläche 2009 aus Infrarot-Luftbildern erhoben und kam auf rund 5.242 Hektar. Zwei Verfahren, über ein Jahrzehnt auseinander, unter zehn Prozent Abweichung — und die Richtung ist die erwartbare: Wien hat seit 2009 gebaut. Die zweite Probe läuft im Inneren: die projizierte Dachfläche muss die Grundfläche ergeben, und das Verhältnis kommt auf 1,0002 heraus. Ein doppelt gezähltes Dach würde es über eins treiben.
Transkript
Eine Sommernacht in Wien, 23 Uhr. Unterm Flachdach ist es zu warm zum Schlafen. Wien wird heißer: Dieses Jahr gab es schon 51 Tage über 30 Grad. Ein Flachdach speichert Hitze – und gibt sie an die Wohnung darunter weiter. Und bei Starkregen fließen 8 von 10 Tropfen gleich in den Kanal. Dort fließt meist auch das Abwasser. Ist der Kanal voll, läuft beides ungeklärt in die Wien und in die Donau. Was wäre, wenn dein Dach grün wäre? In Azima einmal antippen – und es wächst zu. Beim selben Regen bleibt rund die Hälfte oben. Was verdunstet, kühlt – das Dach und die Wohnung darunter. Der Aufbau ist flacher als ein Häferl – und nach etwa einem Jahr ist das Dach grün. Und wie viel Dach hat Wien dafür? Mehr als die Hälfte der Wiener Dachfläche ist flach genug zum Begrünen: 3.300 Hektar. Und gerade dort, wo Platz für Parks fehlt, liegt viel Dach: In Mariahilf ist es ein Viertel der Bezirksfläche. Wer sein Dach begrünen will, bekommt Hilfe von der Stadt: bis zu 30.000 Euro. Neue Anträge gibt es ab Anfang 2027. Wie grün könnte dein Block sein? Azima zeigt es – für jede Adresse in Wien.
Drei Klassen, und was jede trägt
Alle 23 Bezirke — wie flach ihre Dächer sind
Gereiht nach Anteil, nicht nach Fläche: die absolute Zahl sagt vor allem, wie groß ein Bezirk ist, der Anteil sagt, wie dort gebaut wurde. Simmering führt mit 68,9 % — Betriebsgebiete und Nachkriegsbau decken flach. Josefstadt liegt mit 36,6 % am Ende, und seine Gründerzeitdächer sind der Grund.
Eigene Berechnung aus dem Generalisierten Dachmodell der Stadt Wien (LOD2.1, CityGML, CC BY 4.0), 1 459 Blätter, 195 172 Gebäude. Eignung nach Neigung mit den Schwellen der Stadt. Hektar meint echte Dachfläche, nicht Grundfläche. 47 Gebäude am Stadtrand ließen sich keinem Bezirk zuordnen und fehlen in der Reihung.
Die Dachform folgt der Bauepoche, nicht dem Klima
Die naheliegende Schlagzeile wäre: wo es am heißesten ist, ließe sich am wenigsten begrünen. Gegen den eigenen Hitze-Index gerechnet hält das als Tendenz und nicht als Gesetz — die sechs hitzeanfälligsten Bezirke kommen im Mittel auf 43,1 % begrünbares Dach, die sechs kühlsten auf 53,5 %, bei einem Zusammenhang von -0,42. Interessant sind die Ausnahmen: Landstraße gehört zu den heißesten und kommt trotzdem auf 56,9 %, Währing gehört zu den kühlsten und erreicht nur 38,6 %.
Über ein Dach entscheidet, wann es gebaut wurde, nicht wie warm sein Bezirk ist. Um 1900 hat Wien steil gedeckt, nach 1960 flach. Dass sich die beiden Karten überhaupt überlagern, liegt daran, dass der Gründerzeitgürtel auch der dichte, versiegelte, heiße ist — die klassische städtische Hitzeinsel, in der die Versiegelung die Wärme hält und die Nacht sie kaum abgibt.
Daraus aber zu schließen, in den heißen Bezirken sei das Dach die falsche Fläche, wäre ein Trugschluss vom Anteil auf die Fläche — und er ist nachrechenbar falsch. Dieselbe Dichte, die den Anteil drückt, stapelt die Dächer: in Neubau entsprechen die begrünbaren Dachflächen 24,8 % der gesamten Bezirksfläche, in Hietzing sind es 3 %. Gerade wo am wenigsten Boden frei ist, liegt also am meisten begrünbares Dach je Hektar Stadt. Was daraus folgt, ist keine Empfehlung dieser Seite: Hof- und Fassadenflächen sind hier nirgends gemessen, und was ein einzelnes Dach trägt, entscheidet die Statik.
Der Regen, der oben bleiben würde
Auf Wien fallen im Mittel 626,3 mm Regen im Jahr — der Wert 1991–2020 an der Station Hohe Warte. Auf einem flachen Kiesdach läuft davon nach einem Starkregen fast alles binnen Minuten in den Kanal. Ein Gründach hält einen großen Teil und gibt ihn an die Luft zurück. Die österreichische Entwässerungsnorm setzt Zahlen dahinter: Abflussbeiwert 0,8 für Kies, 0,5 für einen extensiven Aufbau ab 8 cm. Über die ganze begrünbare Fläche gerechnet sind das in der Größenordnung 6,3 Millionen Kubikmeter im Jahr, die nicht in die Kanäle kämen. Mehr hält ein Retentionsdach zurück — ein Aufbau mit Anstauebene und gebremstem Ablauf, der genau dafür ausgelegt ist. Die Zahl hier rechnet mit dem einfachen extensiven Aufbau, nicht damit.
Genau darum geht es bei der Schwammstadt, dem Leitbild, auf das Wien und viele europäische Städte hinplanen: Regen soll dort bleiben, wo er fällt, versickern und verdunsten, statt binnen Minuten von einer versiegelten Fläche abgeleitet zu werden. Ein Dach ist in einem dichten Bezirk die eine Fläche, die dafür zu haben ist, ohne jemandem etwas wegzunehmen — kein Parkplatz verschwindet, keine Fahrspur wird enger. Der Regenwasserrückhalt auf dem Dach ist zugleich eine der Kennzahlen, nach denen ein Nachhaltigkeitsbericht fragt — unter ESG so wie unter der EU-Taxonomie —, neben der Wirkung auf das Mikroklima. Die Zahl hier ist ein Ausgangspunkt dafür, kein Gutachten.
Dieselbe Schicht kühlt auch, und es gehört dazu, wie: Wasser, das über dem Aufbau verdunstet, entzieht der Luft Wärme, und das Substrat puffert, was sonst durch die oberste Decke in die Wohnung darunter wanderte. Deshalb steht eine Dachbegrünung in den Hitzeplänen der Stadt neben Bäumen und entsiegelten Flächen. Wie viel davon an einem einzelnen Tag ankommt, hängt an Aufbau, Dicke und Feuchte — eine Gradzahl steht hier deshalb nicht.
Die Beiwerte sind Bemessungswerte der ÖNORM B 2501 für die Rohrdimensionierung, keine gemessenen Jahresmittel. Auf eine Jahresmenge angewendet ergeben sie eine Größenordnung, keine zweite Stelle. Niederschlag: Statistik der Stadt Wien, Messwerte GeoSphere Austria. Für eine Einreichung oder einen Nachhaltigkeitsbericht rechnet ein Planer das am tatsächlichen Aufbau nach.
Was diese Rechnung nicht weiß
Drei Grenzen, und sie zählen mehr als die große Zahl. Sie kennt den Bestand nicht: Neigung ist nicht Bepflanzung, ein seit zwanzig Jahren begrüntes Dach sieht hier genauso aus wie ein nie begrüntes. Die Erhebung der Stadt fand 2009 rund 5 % der Wiener Dachfläche begrünt; je Dach gibt es diese Zahl nicht, und sie wird hier nicht erfunden. Sie kennt die nutzbare Fläche nicht: das Dachmodell ist generalisiert, Technikräume, Lichtkuppeln, Kamine, Aufzugsköpfe und schon liegende Photovoltaik sind nicht abgezogen. Und sie kennt die Statik nicht — ob die Traglast eines Daches die 80 bis 150 kg je Quadratmeter eines extensiven Aufbaus hergibt, beantwortet ein Tragwerksplaner, kein Geometriemodell.
Was in Wien schon begrünt ist
Was die Rechnung nicht weiß, beantwortet zum Teil ein Verzeichnis der Stadt: Gebäude, an denen eine Begrünung umgesetzt wurde. Es führt 473 Einträge — 85 Dächer, 238 Fassaden und 150 Innenhöfe, wobei ein Innenhof dort auch heißen kann, dass eine versiegelte Fläche aufgebrochen und begrünt wurde. Es ist eine Liste von Maßnahmen, keine Bestandsaufnahme. Die Dächer darin sind meist klein — von den 77 mit Flächenangabe hat die Hälfte höchstens 69 m² —, während nach der Erhebung der Stadt schon 2009 rund 260 Hektar Dach begrünt waren.
Gefördert hat die Umweltschutzabteilung der Stadt (MA 22) 276 der Einträge, 196 sind ohne diese Förderung umgesetzt — wie sie bezahlt wurden, sagt das Verzeichnis nicht; bei einem fehlt die Angabe. Das ergibt zwei Schichten: 189 Einträge ohne genaues Jahr, geführt als „vor 2019" — allesamt Fassaden, 182 davon ohne Förderung —, und ab 2019 vor allem Förderfälle: 269 der 284 Einträge seither. Eine Gegenprobe: Für 2025 nennt der Förderbericht der Stadt 12 geförderte Dächer, 13 Fassaden (9 straßenseitig, 4 am Privatgrundstück) und 11 Entsiegelungen der MA 22; das Verzeichnis führt für 2025 12 Dächer, 14 Fassaden und 13 Innenhöfe als gefördert. Der Bericht zählt nach dem Jahr der Auszahlung, das Verzeichnis nach dem der Umsetzung — die Größenordnung passt.
Nach Bezirk führen Margareten, die Brigittenau, die Leopoldstadt und Ottakring — Margareten vor allem wegen 40 Einträgen aus der Zeit vor 2019; seit 2019 kamen die meisten in Ottakring dazu (26). Die Reihung sagt, wo die Stadt eine Begrünung kennt, nicht, wo Wien am grünsten ist.
Fassadenbegrünung fördert die MA 22 mit bis zu 10.000 Euro pro Liegenschaft, wenn sie an der Straßenseite in den öffentlichen Raum ragt, und mit bis zu 5.000 Euro am Privatgrundstück, die Entsiegelung mit Begrünung (vor allem im Innenhof) ebenfalls mit bis zu 10.000 Euro — die Mittel sind derzeit ausgeschöpft, Anträge gibt es wieder ab Anfang 2027 (Förderprogramm 2027–2030, vom Gemeinderat am 19. Mai 2026 mit denselben Höchstbeträgen beschlossen). Der Antrag muss vor Baubeginn gestellt werden; die erste Beratungsstunde bei der Umweltberatung zahlt die Stadt (Stand Oktober 2026).
Verzeichnis „Gebäudebegrünung Standorte Wien" der Stadt Wien, Umweltschutz (MA 22) — data.gv.at, CC BY 4.0, veröffentlicht am 22. Jänner 2026, abgerufen am 12. Oktober 2026. Ein Eintrag trägt Koordinaten außerhalb Wiens; er zählt in den Summen, aber zu keinem Bezirk. Förderung: Stadt Wien (Fassaden, Entsiegelung, Beratung), Gemeinderat, 19. Mai 2026, Förderbericht 2025. Die Einträge auf der Karte →
Regeln und Förderung
Die Wiener Bauordnungsnovelle 2023, kundgemacht am 13. Dezember 2023, hat Begrünung erleichtert und nicht vorgeschrieben: eine Dachbegrünung darf die zulässige Gebäudehöhe um 15 cm überschreiten, wobei Fachstellen darauf hinweisen, dass das nun in Verbindung mit einem Wärmedämmverbundsystem gilt. Eine Fassadenbegrünung lässt sich im Bebauungsplan festschreiben. Neue Wohngebäude müssen Photovoltaik tragen — wie viel, rechnet § 118e der Bauordnung aus der konditionierten Brutto-Grundfläche, geteilt durch 150 und durch die charakteristische Länge des Gebäudes —, weshalb ein Flachdach heute eine umstrittene Fläche ist und es zählt, dass sich beides darauf verträgt. Die Umweltschutzabteilung der Stadt (MA 22) fördert eine Dachbegrünung mit 5 Euro je Zentimeter Aufbaudicke und Quadratmeter, ab 10 cm Aufbau und höchstens 30.000 Euro je Objekt — die Mittel für 2024–2026 sind ausgeschöpft, neue Anträge gibt es ab Anfang 2027. Für Photovoltaik über einem Gründach gibt es eine eigene Förderung der Stadt (MA 20): 400 Euro je kWp bis 100 kWp, darüber weniger, höchstens 30 % der Kosten nach Abzug von fünf Jahren Erlösen und höchstens 100.000 Euro je Anlage; die Module müssen mindestens 20 cm über dem Substrat stehen, die Begrünung selbst fördert sie nicht — ganzjährig zu beantragen, solange Mittel da sind. Der Sanierungsbonus des Bundes ist für 2026 ausgeschöpft, ebenso seit Juli 2026 der Kesseltausch des Bundes (Nachfolger von „Raus aus Öl und Gas"); in Wien laufen die Sanierungsförderung (wohnfonds_wien) und die Förderung für den Heizungstausch der MA 50 nach Maßgabe der Budgetmittel weiter (Stand Oktober 2026). Was für ein einzelnes Gebäude gilt, sagt die Baubehörde.
Was kostet die Begrünung auf deinem Dach? An deiner Adresse gerechnet — kostenlos, ohne Konto:
Die Adresse geht zum Suchen an den Adressdienst der Stadt Wien, nie an Vienna Living Map. Das Ergebnis bleibt auf dem Gerät. Kein Konto.
Beim Kauf einer Dachgeschoßwohnung gehört die Frage nach Dämmung und außenliegendem Sonnenschutz dazu — was vor dem Wohnungskauf in Wien sonst noch zu prüfen ist.
Häufige Fragen
Wie viel der Wiener Dachfläche ließe sich begrünen?
Nach der Dachneigung 3 339 Hektar — 55 % der Dachfläche der Stadt, und damit rund 8,0 % der Wiener Stadtfläche. Davon liegen 2 509 Hektar nahezu flach (bis 5°), dort wäre auch ein tieferer Aufbau mit Beeten und Sträuchern möglich; der Rest ist leicht geneigt und trägt einen dünnen Aufbau aus Sedum und Gräsern.
Woher kommt diese Zahl, und wie entsteht sie?
Aus dem Generalisierten Dachmodell der Stadt Wien (LOD2.1, CityGML), hier selbst durchgerechnet. Für jedes der 195 172 Gebäude darin ist jede Dachfläche ein 3D-Polygon; der Winkel zwischen ihrer Normale und dem Lot ist die Neigung. Die Eignungsschwellen sind die der Stadt — bis 5° intensiv und extensiv, bis 20° extensiv, Mindestgröße 5 m² je zusammenhängender Fläche —, angewendet wird also ihre Definition auf neuere Daten, nicht mehr. Die eingebaute Gegenprobe: die waagrecht projizierte Dachfläche muss die Grundfläche ergeben, und sie tut es (Verhältnis 1,0002).
Gibt es nicht längst einen Gründachpotenzialkataster?
Es gibt ihn, und er ist gut — aber er ruht auf einem Laserscan-Flug von 2007 und liegt nicht als offene Kartenebene vor, sondern in der Umweltgut-Anwendung der Stadt. Das Dachmodell, mit dem hier gerechnet wird, ist neuer und beschreibt jede Dachfläche geometrisch. Beide beantworten dieselbe Frage; diese Rechnung lässt sich einfach neu laufen lassen, wenn die Daten sich ändern.
Welche Bezirke haben am wenigsten begrünbares Dach?
Josefstadt mit 36,6 %, dahinter die übrigen Gründerzeitbezirke. Der Grund liegt im Dach selbst: ein steiles Satteldach um 1900 liegt deutlich über 20°, und dort bleibt kein Aufbau liegen. Wo die Flachdächer stehen — Betriebsgebiete, Gemeindebau, Nachkriegs- und Neubau —, ist der Anteil weit höher, in Simmering bis 68,9 %.
Ist mein Dach schon begrünt?
Das sagt diese Rechnung nicht. Sie kennt die Neigung, nicht die Bepflanzung. Die einzige Bestandszahl ist die der Stadt aus der Dachgrünerhebung 2009 (Infrarot-Luftbild): damals waren rund 5 % der Dachfläche begrünt. Je Dach gibt es diese Zahl nicht, also wird je Dach nichts behauptet.
Wie viele Gebäude in Wien sind begrünt?
Eine vollständige Zahl gibt es nicht. Die Stadt führt ein Verzeichnis umgesetzter Begrünungen mit 473 Einträgen — 85 Dächer, 238 Fassaden und 150 Innenhöfe —, vor allem Förderfälle seit 2019 und 189 Fassaden aus der Zeit davor; eine Bestandsaufnahme ist das nicht. Die einzige flächige Bestandszahl für Dächer ist die Dachgrünerhebung der Stadt von 2009: Rund 5 % der Wiener Dachfläche waren begrünt.
Was macht ein Gründach mit dem Regen?
Es hält einen großen Teil davon oben, statt ihn in den Kanal zu schicken. Die österreichische Entwässerungsnorm (ÖNORM B 2501) rechnet mit einem Abflussbeiwert von 0,8 für ein Kiesdach und 0,5 für eine extensive Begrünung ab 8 cm Aufbau. Auf den Wiener Jahresniederschlag von 626,3 mm und die ganze begrünbare Fläche angewendet, liegt das in der Größenordnung von 6,3 Millionen Kubikmetern im Jahr. Der Beiwert ist ein Bemessungswert für die Rohrdimensionierung, kein gemessenes Jahresmittel — die Größenordnung stimmt, die zweite Stelle nicht.
Wie berechnet man den Regenwasserrückhalt eines Flachdachs?
Drei Größen genügen für die Größenordnung: die Dachfläche in m², der Jahresniederschlag und der Abflussbeiwert des Aufbaus. Für Wien sind das 626,3 mm im Mittel 1991–2020 (Station Hohe Warte) und die Beiwerte der ÖNORM B 2501 — Kiesdach 0,8, extensive Begrünung ab 8 cm Aufbau 0,5, intensive ab 25 cm 0,1. Ein 300 m² großes Kiesdach schickt danach rund 150 m³ im Jahr in den Kanal, extensiv begrünt etwa 90 m³; die Differenz von rund 60 m³ ist der Rückhalt. Das ist eine Überschlagsrechnung: die Beiwerte sind Bemessungswerte für die Rohrdimensionierung und kein gemessenes Jahresmittel. Für eine Einreichung, einen Nachhaltigkeitsbericht oder eine Schwammstadt-Planung rechnet ein Planer am tatsächlichen Aufbau nach, mit Retentionsschicht, Gefälle und Notentwässerung.
Was kostet ein Gründach in Wien?
Für den Begrünungsaufbau nennt der deutsche Bundesverband GebäudeGrün etwa 30 bis 60 € je m² bei extensiver Begrünung und ab etwa 80 € je m² bei intensiver — eine Obergrenze nennt er nicht, und österreichische Preise je m² veröffentlicht niemand. Wird das Dach ohnehin neu gemacht, ist ein Gründach laut Leitfaden Dachbegrünung der Stadt Wien (2021, nach einem Münchner Wohnbauträger) um 0 bis 16 € je m² teurer als ein Kiesdach, die Pflege um rund 0,5 € je m² im Jahr. Nicht dabei: Abdichtung, Statik, Absturzsicherung, Gerüst und Planung. Für eine einzelne Adresse rechnet Azima das aus der begrünbaren Fläche dieses Hauses, mit Reglern für Fläche und Aufbaudicke.
Hält ein Gründach das Dach länger dicht?
Beim Warmdach ja: die Abdichtung eines Kiesdachs hält laut Leitfaden Dachbegrünung der Stadt Wien im Schnitt 20 bis 30 Jahre, unter einem Gründach zumindest 40. Beim Umkehrdach liegt die Dämmung über der Abdichtung und schützt sie schon — dort gilt der Gewinn nicht. In Euro lässt sich das nicht ehrlich fassen: eine Neudeckung kostet von Dach zu Dach sehr verschieden, und eine belegte Wiener Zahl gibt es nicht.
Rechnet sich ein Gründach über 30 Jahre?
Gezählt, was belegt ist: gegenüber einem Kiesdach, das ohnehin neu gemacht wird, kostet eine extensive Begrünung beim Bau 0 bis 16 € je m² mehr und in der Pflege rund 0,5 € je m² im Jahr — über 30 Jahre also rund 15 bis 31 € je m², einfach addiert, ohne Zins und Teuerung. Dagegen steht die Erneuerung der Abdichtung, die beim Kiesdach in diesen 30 Jahren einmal fällig wird und unter einem Gründach nicht; was sie kostet, hängt am Dach. Die Studie „Dachgrün“ im Auftrag der Stadt Wien (2012) rechnet die Erneuerung für einen Neubau im Geschosswohnbau mit ein: Dort liegt das extensive Gründach nach 20 Jahren 8 € und nach 30 Jahren 2 € je m² unter dem Kiesdach, nach 40 Jahren wieder 19 € darüber. Für eine intensive Begrünung gibt es weder Aufpreis noch Pflegekosten als belegte Zahl. Azima stellt die drei Varianten für ein einzelnes Dach nebeneinander.
Was sagt das Gesetz, und gibt es Förderung?
Die Wiener Bauordnungsnovelle 2023 (kundgemacht am 13. Dezember 2023) hat Begrünung erleichtert: eine Dachbegrünung darf die zulässige Gebäudehöhe um 15 cm überschreiten, wobei Fachstellen darauf hinweisen, dass das nun in Verbindung mit einem Wärmedämmverbundsystem gilt. Neue Wohngebäude müssen Photovoltaik tragen — wie viel, rechnet § 118e der Bauordnung aus der konditionierten Brutto-Grundfläche, geteilt durch 150 und durch die charakteristische Länge des Gebäudes. Die Umweltschutzabteilung der Stadt (MA 22) fördert eine Dachbegrünung mit 5 Euro je Zentimeter Aufbaudicke und Quadratmeter, ab 10 cm Aufbau und höchstens 30.000 Euro je Objekt — die Mittel für 2024–2026 sind ausgeschöpft, neue Anträge gibt es ab Anfang 2027. Für Photovoltaik über einem Gründach gibt es eine eigene Förderung der Stadt (MA 20): 400 Euro je kWp bis 100 kWp, darüber weniger, höchstens 30 % der Kosten nach Abzug von fünf Jahren Erlösen und höchstens 100.000 Euro je Anlage; die Module müssen mindestens 20 cm über dem Substrat stehen, die Begrünung selbst fördert sie nicht — ganzjährig zu beantragen, solange Mittel da sind. Der Sanierungsbonus des Bundes ist für 2026 ausgeschöpft, ebenso seit Juli 2026 der Kesseltausch des Bundes (Nachfolger von „Raus aus Öl und Gas"); in Wien laufen die Sanierungsförderung (wohnfonds_wien) und die Förderung für den Heizungstausch der MA 50 nach Maßgabe der Budgetmittel weiter (Stand Oktober 2026). Was für ein bestimmtes Gebäude gilt, sagt die Baubehörde.
Solarpotenzial · Raus aus Gas · Kühl wohnen · Alle Bezirke
Quellen: eigene Berechnung aus dem Generalisierten Dachmodell LOD2.1 der Stadt Wien (CityGML) und den Bezirksgrenzen — data.wien.gv.at, CC BY 4.0. Eignungsschwellen (5°, 20°, Mindestgröße 5 m²) wie für den Gründachpotenzialkataster der Stadt veröffentlicht. Abflussbeiwerte: ÖNORM B 2501, Bemessungswerte. Niederschlag: Statistik der Stadt Wien, Messwerte GeoSphere Austria. Dachbestand 2009 und Förderung: Stadt Wien, Umweltschutzabteilung (MA 22); Photovoltaik auf Gründächern: Stadt Wien, Energieplanung (MA 20). Kosten, Pflege und Lebensdauer der Abdichtung: Bundesverband GebäudeGrün (Deutschland, FAQ Mai 2026) und Leitfaden Dachbegrünung der Stadt Wien (2021). Keine Planung und kein Angebot: Statik, Denkmalschutz, Eigentümergemeinschaft und Baubehörde entscheiden mit. Umgesetzte Begrünungen: Verzeichnis „Gebäudebegrünung Standorte Wien", Stadt Wien (MA 22), data.gv.at, CC BY 4.0; Förderbericht 2025 und Gemeinderatsbeschluss vom 19. Mai 2026.
