Vienna Living MapThemenDEEN
🏡 Wohnen an besonderen Orten

Wohnen in der Werkbundsiedlung — wie lebt es sich dort?

Kurz und ehrlich: Man wohnt in einem Haus von 1932, das als Ausstellungsstück gebaut wurde — 70 Häuser von mehr als 30 Architektinnen und Architekten, darunter Loos, Hoffmann, Rietveld und Neutra, am Rand des Lainzer Tiergartens, die Straßenbahn 62 vor der Tür. Der Kompromiss: Die Häuser sind klein, denkmalgeschützt und zu zwei Dritteln im Besitz der Stadt — frei wird selten eines.

Stand Oktober 2026

Living Snapshot — die Wohnlage in Zahlen

Die Werkbundsiedlung ist in den Daten der Vienna Living Map kein eigenes Grätzl — bewertet werden die Wohnlagen ringsum: Auhof rund 300 Meter westlich und Lainz rund 700 Meter östlich.

Was den Alltag prägt

Die Siedlung war eine Ausstellung, bevor sie ein Wohnort war. Der Österreichische Werkbund ließ sie 1930 bis 1932 unter der Leitung von Josef Frank bauen, erst für die Triester Straße geplant, dann nach Lainz verlegt: 70 Häuser von 32 Architektinnen und Architekten aus dem In- und Ausland, darunter Adolf Loos, Josef Hoffmann, Gerrit Rietveld, Richard Neutra, Hugo Häring, André Lurçat und Margarete Schütte-Lihotzky. Vom 4. Juni bis 7. August 1932 standen sie als Musterbeispiel des „Neuen Wohnens" offen, 100.000 Menschen kamen. Verkauft werden konnten danach nur 14 Häuser samt Gärten; der Rest wurde vermietet und kam 1938 in den Besitz der Stadt.

Der Krieg nahm sechs Häuser, an ihrer Stelle bauten andere, darunter Roland Rainer. Seit 1978 steht die Siedlung unter Denkmalschutz. 1983 bis 1985 sanierte Adolf Krischanitz 56 der 64 verbliebenen Häuser, 2012 bis 2019 folgte die zweite Sanierung durch Praschl-Goodarzi Architekten. 2020 bekam die Siedlung das Europäische Kulturerbe-Siegel, angebracht im Juni 2021. Heute gehören 48 der 70 Häuser der Stadt, die übrigen sind privat.

Was überraschend gut funktioniert

Ruhig und kühl für Wiener Verhältnisse: Im nächsten Grätzl, Auhof, liegt die Ruhe bei 9,1 (Wiener Median 6,8), der modellierte Sommerhitze-Index bei 43 von 100 (Median 56). Der Hörndlwald beginnt rund vier Gehminuten entfernt, dahinter der Lainzer Tiergarten.

Die Straßenbahn 62 endet an der Wolkersbergenstraße, direkt an der Siedlung, und fährt bis zur Oper; die Busse 53A und 54A halten an der Ratmannsdorfgasse und der Wlassakstraße. Und man wohnt in einem Haus, das es nur einmal gibt: jedes von einem anderen Architekten, jedes auf den Garten hin gebaut.

Was man bewusst in Kauf nimmt

Die Häuser sind klein und streng: Reihen- und Einzelhäuser von 1932, gebaut für wenig Geld und viel Licht, mit Raummaßen, die heute knapp wirken. Umbauen darf man wenig — die Siedlung ist Denkmal, und 48 Häuser vergibt die Stadt wie Gemeindewohnungen. Frei wird selten eines; wer hier wohnen will, braucht Geduld oder Glück bei einem der privaten.

Die U-Bahn ist weit: Die U4 Ober St. Veit liegt rund eine halbe Stunde zu Fuß entfernt. Wer täglich in die Stadt pendelt, fährt mit der 62 — und rechnet die Fahrt mit.

20 Minuten Alltag

Fünf Stationen, ein Abend nach der Arbeit — jede Beobachtung gilt genau hier, nicht überall.

  1. Lainz, Wolkersbergenstraße 17:30
    Die Endstation der Straßenbahn 62, direkt an der Siedlung. Von hier sind es ein paar Schritte in die Veitingergasse.
  2. Veitingergasse 17:33
    Die Nordkante der Siedlung: flache Dächer, weiße und farbige Putzflächen, die Gärten dahinter. 1932 standen hier zwei Monate lang 100.000 Besucher Schlange.
  3. Jagićgasse 17:38
    Die Ostseite, Häuser von 1932 neben den Nachbauten für die sechs im Krieg zerstörten. Seit 1978 steht alles unter Denkmalschutz.
  4. Jagdschlossgasse 17:44
    Die Südwestkante, zum Lainzer Tiergarten hin. Die zweite Sanierung 2012 bis 2019 hat die Fassaden wieder in die Farben von 1932 gebracht.
  5. Hörndlwald 17:50
    Rund vier Gehminuten von der Siedlung beginnt der Wald, dahinter der Lainzer Tiergarten — das ist der Abendweg, den die Siedlung von Anfang an versprochen hat.

Für wen passt es?

Für alle, die in einem Stück Architekturgeschichte wohnen wollen und den Wald vor der Haustür brauchen — und die mit der Straßenbahn 62 täglich fahren. Wer große Räume, eine U-Bahn in Gehweite oder freie Hand beim Umbau will, sucht woanders: Die Häuser sind klein, denkmalgeschützt und meist in der Hand der Stadt.

Licht je Geschoß prüfen

Die Häuser sind niedrig und dicht gesetzt, jedes auf den Garten hin: Wie viel Sonne an ein Fenster kommt, entscheiden Nachbarhaus und Seite. Der Licht-Check rechnet für Adresse und Geschoß, wann direkte Sonne an die Fenster kommt — am 21. Juni und am 21. Dezember, aus den amtlich gemessenen Höhen der Nachbarhäuser. Die Vorschau für ein Zimmer ist kostenlos. Zum Licht-Check →

Diesen Ort in der Vienna Living Map öffnen →

Das Grätzl-Porträt Auhof · Das Grätzl-Porträt Lainz · Architektur in Wien · Bezirk Hietzing · Karl-Marx-Hof · Arsenal

Methodik & Quellen

Geschichte, Ausstellung, Verkauf, Krieg und Sanierungen: Wikipedia, Artikel „Werkbundsiedlung Wien". Architektenzahl und Kulturerbe-Siegel: Wien Geschichte Wiki (Stadt Wien), Artikel „Wiener Werkbundsiedlung". Besitz (48 von 70 Häusern) und Denkmalschutz seit 1978: werkbundsiedlung-wien.at. Alle gelesen am 12.10.2026. Ruhe und Sommerhitze: eigene Daten der Vienna Living Map für das Grätzl Auhof; Gehminuten aus der Luftlinie mal 1,3 bei 80 Metern je Minute.

Häufige Fragen

Was ist die Werkbundsiedlung?

Eine Mustersiedlung des Österreichischen Werkbunds in Wien-Hietzing: 70 Häuser von 32 Architektinnen und Architekten, 1930 bis 1932 unter der Leitung von Josef Frank gebaut und vom 4. Juni bis 7. August 1932 als Ausstellung des „Neuen Wohnens" gezeigt. Heute stehen noch 64 der Häuser, seit 1978 unter Denkmalschutz, seit 2020 mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel.

In welchem Bezirk liegt die Werkbundsiedlung?

Im 13. Bezirk, Hietzing, Postleitzahl 1130, in Lainz zwischen Veitingergasse, Jagdschlossgasse und Jagićgasse. Die Straßenbahn 62 endet direkt an der Siedlung, die U4 Ober St. Veit liegt rund eine halbe Stunde zu Fuß entfernt.

Kann man in der Werkbundsiedlung wohnen?

Ja, die Häuser werden bewohnt. 48 der 70 gehören der Stadt Wien und werden wie Gemeindewohnungen vergeben, die übrigen sind privat. Frei wird selten eines, und umgebaut werden darf wegen des Denkmalschutzes wenig.

Welche Architekten haben in der Werkbundsiedlung gebaut?

32 aus dem In- und Ausland, darunter Adolf Loos, Josef Hoffmann, Gerrit Rietveld, Richard Neutra, Hugo Häring, André Lurçat, Josef Frank, Oskar Wlach, Clemens Holzmeister und Margarete Schütte-Lihotzky. Für die sechs im Krieg zerstörten Häuser bauten später andere, darunter Roland Rainer.

Wann wurde die Werkbundsiedlung saniert?

Zweimal: 1983 bis 1985 durch Adolf Krischanitz (56 der 64 verbliebenen Häuser) und 2012 bis 2019 durch Praschl-Goodarzi Architekten.

Wie lebt es sich in der Werkbundsiedlung?

Ruhiger und kühler als im Wiener Mittel, in den Daten des Grätzls Auhof, mit dem Hörndlwald rund vier Gehminuten entfernt und der Straßenbahn 62 vor der Tür. Dafür kleine Häuser, Denkmalschutz und eine halbe Stunde zu Fuß bis zur U4. Einen eigenen Score hat die Siedlung nicht; das Grätzl Auhof erreicht 94 von 100.

Wie möchtest du leben?

Beschreib deinen Alltag — die Karte übersetzt ihn in Orte in Wien.