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⛲ Wohnen an besonderen Orten

Wohnen im Sandleitenhof — wie lebt es sich dort?

Kurz und ehrlich: Man wohnt im größten Gemeindebau des Roten Wien der Zwischenkriegszeit, in einer von 1.587 Wohnungen rund um den Matteottiplatz mit seinem Steinbrunnen, am westlichen Rand von Ottakring, die Straßenbahnen 2 und 10 vor der Tür. Der Kompromiss: Hinein kommt man über Wiener Wohnen, nicht über ein Inserat — und die U-Bahn ist gut zwanzig Gehminuten entfernt.

Stand Oktober 2026

Living Snapshot — die Wohnlage in Zahlen

Der Sandleitenhof ist in den Daten der Vienna Living Map kein eigenes Grätzl — bewertet werden die Wohnlagen ringsum: Wilhelminenberg rund 300 Meter westlich und das Grätzl Sandleiten rund einen Kilometer nordöstlich.

Was den Alltag prägt

Gebaut wurde in fünf Bauphasen ab 1924, dort, wo um die Jahrhundertwende eine kleine Gartensiedlung stand. Den Teil südlich der Rosenackerstraße plante die Gemeinschaft, deren Projekt die Jury zum Sieger bestimmt hatte: die Otto-Wagner-Schüler Emil Hoppe, Otto Schönthal und Franz Matuschek. Den Norden bekamen zwei weitere Architektengemeinschaften. Mit 1.587 Wohnungen gilt die Anlage als größter Gemeindebau des Roten Wien der Zwischenkriegszeit; ursprünglich lebten hier über 5.000 Menschen, heute sind es über 4.000.

Gedacht war eine kleine Stadt: 75 Geschäftslokale, ein Gast- und Kaffeehaus, Ateliers und Werkstätten, drei große Bade- und Wäschereianlagen, eine Bücherei, eine Apotheke, drei Kinderhorte, ein Postamt und ein Kino- und Theatersaal mit 600 Plätzen. Die Mitte bildet der Matteottiplatz mit Terrasse und Steinbrunnen, benannt 1927 und noch einmal 1953. Am 12. Februar 1934 versuchte die Polizei um die Mittagszeit in die Anlage einzudringen und wurde mit Schüssen zurückgewiesen. 1935/36 baute der junge Behrens-Schüler Josef Vytiska an der Sandleitengasse die Pfarrkirche St. Josef.

Was überraschend gut funktioniert

Ruhig und kühl für Wiener Verhältnisse: Im nächsten Grätzl, Wilhelminenberg, liegt die Ruhe bei 8,4 (Wiener Median 6,8), der modellierte Sommerhitze-Index bei 43 von 100 (Median 56). Die Straßenbahnen 2 und 10 halten an der Liebknechtgasse, rund zwei Gehminuten von der Mitte der Anlage, und der Kongreßpark liegt rund fünf Gehminuten entfernt.

Ein Teil der kleinen Stadt ist geblieben: Die Städtische Bücherei gehört bis heute zur Anlage. Und man wohnt nicht in einem Block an der Straße, sondern in einer Anlage, die über mehrere Straßen reicht und nach allen Seiten offen ist, mit dem Brunnen in der Mitte.

Was man bewusst in Kauf nimmt

Kaufen lässt sich hier nichts, und gemietet wird nicht über ein Inserat: Die Wohnungen vergibt Wiener Wohnen wie jede Gemeindewohnung, mit dem Wiener Wohn-Ticket. Und man wohnt mit über 4.000 Menschen in einer Anlage — wer ein kleines Haus mit wenigen Nachbarn sucht, ist hier falsch.

Die U-Bahn ist weit: Die U3 Ottakring liegt gut zwanzig Gehminuten entfernt, im Alltag fährt man mit der Straßenbahn. Und vom Kino- und Theatersaal mit seinen 600 Plätzen merkt man wenig — er wird heute kaum genutzt.

20 Minuten Alltag

Fünf Stationen, ein Abend nach der Arbeit — jede Beobachtung gilt genau hier, nicht überall.

  1. Liebknechtgasse 17:30
    Die Haltestelle der Straßenbahnen 2 und 10, ein paar Schritte vom Rand der Anlage.
  2. Matteottiplatz 17:33
    Die Mitte des Sandleitenhofs: Terrasse und Steinbrunnen, der Platz benannt nach Giacomo Matteotti, 1927 und noch einmal 1953.
  3. Rosenackerstraße 17:37
    Die Straße teilt die Anlage: südlich davon der Teil von Hoppe, Schönthal und Matuschek, nördlich der Teil der beiden anderen Gemeinschaften.
  4. Sandleitengasse 17:41
    Hier steht die Pfarrkirche St. Josef, 1935/36 von Josef Vytiska gebaut — ein paar Jahre jünger als der Hof ringsum.
  5. Kongreßpark 17:47
    Rund fünf Gehminuten von der Mitte der Anlage liegt der Kongreßpark — das Ende des Abendwegs.

Für wen passt es?

Für alle, die in einem Stück Wiener Stadtgeschichte wohnen wollen, zur Miete einer Gemeindewohnung, mit der Straßenbahn vor der Tür und einem Park in Gehweite. Wer kaufen will, eine U-Bahn vor dem Haus braucht oder ein Haus mit wenigen Parteien sucht, sucht woanders.

Licht je Geschoß prüfen

Der Sandleitenhof hat Höfe, Plätze und Straßenfronten — wie viel Sonne an ein Fenster kommt, hängt an Seite, Hof und Geschoß. Der Licht-Check rechnet für Adresse und Geschoß, wann direkte Sonne an die Fenster kommt — am 21. Juni und am 21. Dezember, aus den amtlich gemessenen Höhen der Nachbarhäuser. Die Vorschau für ein Zimmer ist kostenlos. Zum Licht-Check →

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Das Grätzl-Porträt Wilhelminenberg · Das Grätzl-Porträt Sandleiten · Wohnen im Gemeindebau · Bezirk Ottakring · Karl-Marx-Hof · Arsenal

Methodik & Quellen

Geschichte, Zahlen, Architekten, Einrichtungen, der 12. Februar 1934 und die Kirche: Wikipedia, Artikel „Sandleitenhof". Matteottiplatz mit Terrasse und Steinbrunnen, die frühere Gartensiedlung und die nach allen Seiten offene Anlage: wien.info, „Wiens wichtigste Gemeindebauten". Lage am westlichen Rand von Ottakring: SOHO in Ottakring. Alle gelesen am 12.10.2026. Ruhe und Sommerhitze: eigene Daten der Vienna Living Map für das Grätzl Wilhelminenberg; Gehminuten aus der Luftlinie mal 1,3 bei 80 Metern je Minute.

Häufige Fragen

Was ist der Sandleitenhof?

Der größte Gemeindebau des Roten Wien der Zwischenkriegszeit, im 16. Bezirk: 1.587 Wohnungen, gebaut in fünf Bauphasen ab 1924, rund um den Matteottiplatz. Heute leben hier über 4.000 Menschen.

In welchem Bezirk liegt der Sandleitenhof?

Im 16. Bezirk, Ottakring, Postleitzahl 1160, rund um Sandleitengasse, Rosenackerstraße und Liebknechtgasse. Die Straßenbahnen 2 und 10 halten an der Liebknechtgasse, die U3 Ottakring liegt gut zwanzig Gehminuten entfernt.

Kann man im Sandleitenhof wohnen?

Ja — über Wiener Wohnen, wie jede Gemeindewohnung, mit dem Wiener Wohn-Ticket. Kaufen lassen sich die Wohnungen nicht, und frei werden sie über die Stadt, nicht über ein Inserat.

Wer hat den Sandleitenhof geplant?

Den Teil südlich der Rosenackerstraße die Otto-Wagner-Schüler Emil Hoppe, Otto Schönthal und Franz Matuschek, deren Projekt die Jury zum Sieger bestimmt hatte; den Norden zwei weitere Architektengemeinschaften. Die Pfarrkirche St. Josef an der Sandleitengasse baute 1935/36 Josef Vytiska.

Was geschah im Sandleitenhof im Februar 1934?

Am 12. Februar 1934, um die Mittagszeit, versuchte die Polizei in die Anlage einzudringen und wurde mit Schüssen zurückgewiesen.

Wie lebt es sich im Sandleitenhof?

Ruhiger und kühler als im Wiener Mittel, in den Daten des Grätzls Wilhelminenberg, mit der Straßenbahn vor der Tür und dem Kongreßpark rund fünf Gehminuten entfernt. Dafür eine Anlage mit über 4.000 Menschen, die Vergabe über Wiener Wohnen und gut zwanzig Gehminuten zur U-Bahn. Einen eigenen Score hat der Sandleitenhof nicht; das Grätzl Wilhelminenberg erreicht 87 von 100.

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