Wohnen im Gasometer — wie lebt es sich dort?
Kurz und ehrlich: Man wohnt in einem von vier Gasbehältern von 1899, 75 Meter hoch, seit 1978 Denkmal, 1999 bis 2001 zu rund 600 Wohnungen und einem Studentenheim umgebaut, die U3-Station am Haupteingang. Der Kompromiss: Viele Fenster schauen in den Hof eines Ziegelrings, und vor der Tür wird bis in die 2030er-Jahre ein ganzes Viertel gebaut.
Living Snapshot — die Wohnlage in Zahlen
Die Gasometer sind in den Daten der Vienna Living Map kein eigenes Grätzl — bewertet werden die Wohnlagen ringsum: Simmering Bahnhof gut anderthalb Kilometer südlich und Erdberg knapp zwei Kilometer nordwestlich, jenseits der Bezirksgrenze.
Was den Alltag prägt
Die Türme sind älter als die Wohnungen in ihnen. 1894 kaufte die Stadt die Große Spitalwiese in Simmering, im Oktober 1896 begann der Bau, am 31. Oktober 1899 ging das Gaswerk in Betrieb: vier Behälter, jeder 75 Meter hoch, 62,8 Meter Innendurchmesser, 90.000 Kubikmeter Gas; um 1900 arbeiteten hier rund 2.000 Menschen. 1978 wurden die Behälter als Industriedenkmale unter Schutz gestellt, 1985 und 1986 gingen sie außer Betrieb. Von 1999 bis 2001 baute je ein Architekt einen Turm um: Jean Nouvel den Gasometer A, Coop Himmelb(l)au den B, Manfred Wehdorn den C, Wilhelm Holzbauer den D. Im Herbst 2001 zogen die Ersten ein: 615 Wohnungen, 247 Heimplätze für Studierende, ein Kindergarten, Büros, eine Veranstaltungshalle und das Wiener Stadt- und Landesarchiv mit 35 Kilometern Akten, die älteste Urkunde von 1208.
Nicht alles ging auf. Die Einkaufspassage, die auf 450 Metern durch alle vier Türme lief, hatte zu Beginn rund 70 Geschäfte; 2012 wurde sie auf rund 30 Geschäfte auf drei Ebenen im Gasometer A zusammengezogen. Geblieben sind die Wohnungen, das Studentenheim, das Archiv, die Halle und die U3-Station Gasometer, die am 2. Dezember 2000 mit dem letzten Teilstück der U3 eröffnet wurde; ihr Zugang in der Rosa-Fischer-Gasse liegt direkt am Haupteingang, werktags endet dort die Buslinie 72A. Jetzt kommt die nächste Schicht: Im westlichen und südlichen Gasometervorfeld entsteht die „Bricolage City" für rund 2.000 Menschen, die ersten Wohnungen sollen ab 2028 bezugsfertig sein; der Spatenstich für den 51.000 Quadratmeter großen Park fiel im Juli 2026, der erste Teil soll im Frühjahr 2027 fertig sein.
Was überraschend gut funktioniert
Die Wege sind kurz: Die U3 hält am Haupteingang, mit ihr ist man in einer Station in Erdberg und in sieben Stationen am Stephansplatz. Bei den Öffis erreicht das Grätzl Simmering Bahnhof 8,8 von 10. Der Hyblerpark liegt rund fünf Gehminuten entfernt, und ab 2027 öffnet im Gasometervorfeld der neue Park mit 120 Bäumen im ersten Teil.
Jeder Turm ist ein anderes Haus. Nouvel stellte neun einzelne Gebäude in den Ring des Gasometers A, durch die Schlitze dazwischen fällt Sonne in den Hof. Coop Himmelb(l)au setzte dem B ein 18-geschoßiges „Schild" vor die Nordseite. Wehdorn staffelte den C in Terrassen mit viel Grün. Holzbauer stellte in den D einen dreiflügeligen Stern, der die alte Ziegelwand nicht berührt — die Wohnungen schauen auf das Denkmal.
Was man bewusst in Kauf nimmt
Licht ist hier Turmsache: Ein Ziegelzylinder mit 62,8 Metern Innendurchmesser hat einen Hof, in den die Sonne nur von oben kommt. Welche Wohnung wie viel davon bekommt, entscheiden Turm, Seite und Geschoß — unten im Hof weniger, oben und zur Außenwand mehr. Wer einziehen will, schaut sich das Geschoß genauer an als anderswo.
Ruhig und kühl ist es hier nicht: Das Grätzl Simmering Bahnhof liegt bei der Ruhe mit 6,5 unter dem Wiener Median von 6,8 und beim modellierten Sommerhitze-Index mit 62 über dem Mittel von 56. Und vor der Tür wird gebaut: der Park seit Juli 2026, die Wohnhäuser der Bricolage City bis in die 2030er-Jahre.
20 Minuten Alltag
Sechs Stationen, ein Abend nach der Arbeit — jede Beobachtung gilt genau hier, nicht überall.
- Rosa-Fischer-Gasse 17:30
Der Zugang zur U3-Station Gasometer, eröffnet am 2. Dezember 2000, direkt am Haupteingang. Bis 2027 soll ein zweiter Zugang dazukommen. - Gasometer A 17:33
Jean Nouvels Turm: neun Gebäude im Ring, zwischen ihnen Schlitze, durch die das Licht in den Hof fällt. Hier sind seit 2012 die rund 30 Geschäfte auf drei Ebenen. - Gasometer B 17:38
Coop Himmelb(l)aus Turm mit dem 18-geschoßigen Schild an der Nordseite; unten die Veranstaltungshalle, dazu das Studentenheim mit 247 Plätzen. - Gasometer C 17:42
Manfred Wehdorns Turm: Terrassen, die sich nach oben zurückstaffeln, Grün auf den Stufen, Regenwasser getrennt gesammelt. - Gasometer D 17:46
Wilhelm Holzbauers dreiflügeliger Stern in der Mitte, die Ziegelwand bleibt frei. In den unteren Geschoßen das Wiener Stadt- und Landesarchiv, seit Herbst 2001. - Hallergasse 17:52
Das Gasometervorfeld: Seit Juli 2026 entsteht hier der Park, 51.000 Quadratmeter am Ende, im ersten Teil 120 Bäume und 5.000 Quadratmeter Blühwiesen, ab Frühjahr 2027. Dahinter die Baufelder der Bricolage City.
Für wen passt es?
Für alle, die in einem Haus wohnen wollen, das es nur viermal gibt, und täglich mit der U3 fahren. Wer Abendsonne am Fenster braucht, wählt Turm und Geschoß mit Bedacht; wer in den nächsten Jahren Ruhe vor Baustellen sucht, rechnet das Vorfeld bis in die 2030er-Jahre mit ein.
Licht je Geschoß prüfen
In einem Ring mit 62,8 Metern Innendurchmesser schauen viele Fenster in den Hof, und ob dort Sonne ankommt, entscheiden Turm, Seite und Geschoß. Der Licht-Check rechnet für Adresse und Geschoß, wann direkte Sonne an die Fenster kommt — am 21. Juni und am 21. Dezember, aus den amtlich gemessenen Höhen der Nachbarhäuser. Die Vorschau für ein Zimmer ist kostenlos. Zum Licht-Check →
Diesen Ort in der Vienna Living Map öffnen →Das Grätzl-Porträt Simmering Bahnhof · Wohnen im Arsenal · Architektur in Wien · Bezirk Simmering · Karl-Marx-Hof · Arsenal
Methodik & Quellen
Gaswerk und Behälter: Wien Geschichte Wiki (Stadt Wien), Artikel „Gasometer". Umbau, Geschäfte und Skywalk: Wikipedia, Artikel „Gasometer (Wien)". Architektur der vier Türme: nextroom, „Gasometer Simmering — Neubau und Revitalisierung". U-Bahn: Wikipedia, Artikel „U-Bahn-Station Gasometer". Archiv: Wikipedia, Artikel „Wiener Stadt- und Landesarchiv". Park: Stadt Wien, Presse-Service, „Neue Parkanlage Gasometervorfeld" (05.03.2025) und Wiener Stadtgärten, „Park Gasometervorfeld". Bricolage City: ORF Wien (12.07.2026). Alle gelesen am 12.10.2026. Ruhe, Sommerhitze und Öffis: eigene Daten der Vienna Living Map für das Grätzl Simmering Bahnhof.
Häufige Fragen
Was sind die Wiener Gasometer?
Vier Gasbehälter des Gaswerks Simmering, gebaut 1896 bis 1899, jeder 75 Meter hoch mit 62,8 Metern Innendurchmesser und 90.000 Kubikmetern Gas. Seit 1978 stehen sie unter Denkmalschutz, 1985 und 1986 gingen sie außer Betrieb. Von 1999 bis 2001 wurden sie zu Wohnungen, einem Studentenheim, Büros, einer Veranstaltungshalle und dem Wiener Stadt- und Landesarchiv umgebaut.
In welchem Bezirk liegen die Gasometer?
Im 11. Bezirk, Simmering, Postleitzahl 1110, an der Guglgasse. Die U3-Station Gasometer liegt am Haupteingang, eine Station von Erdberg entfernt.
Kann man im Gasometer wohnen?
Ja. Beim Umbau entstanden 615 Wohnungen und 247 Heimplätze für Studierende, verteilt auf alle vier Türme. Viele Wohnungen liegen im Ring und schauen in den Hof; wie viel Sonne ankommt, hängt an Turm, Seite und Geschoß.
Wer hat die Gasometer umgebaut?
Je ein Architekt pro Turm: Jean Nouvel den Gasometer A mit neun Gebäuden im Ring, Coop Himmelb(l)au den B mit dem 18-geschoßigen Schild und der Halle, Manfred Wehdorn den C mit Terrassen, Wilhelm Holzbauer den D mit einem dreiflügeligen Stern, in dessen unteren Geschoßen das Stadtarchiv liegt. Umgebaut wurde von 1999 bis 2001.
Was wird im Gasometervorfeld gebaut?
Die „Bricolage City": ein Viertel für rund 2.000 Menschen im westlichen und südlichen Vorfeld, die ersten Wohnungen ab 2028. In der Mitte ein Park mit 51.000 Quadratmetern, Spatenstich im Juli 2026; der erste Teil mit 120 Bäumen soll im Frühjahr 2027 öffnen, der Rest folgt in Etappen.
Wie lebt es sich im Gasometer?
Mit der U3 am Haupteingang schnell überall, der Hyblerpark rund fünf Gehminuten entfernt, und ein Haus, das ein Denkmal ist. Dafür Hoffenster in einem Ziegelring, eine Baustelle vor der Tür bis in die 2030er-Jahre und, in den Daten, weniger Ruhe und mehr Sommerhitze als im Wiener Mittel. Einen eigenen Score haben die Gasometer nicht; das Grätzl Simmering Bahnhof ringsum erreicht 65 von 100.