Balkonkraftwerk in Wien: was erlaubt ist und was es an deiner Fensterfront bringt
Ein Balkonkraftwerk ist schnell gekauft. Was in Wien dafür gilt, steht bei Wiener Netze und der Stadt — und wie viel es bringt, entscheidet vor allem, wohin die Fensterfront zeigt und wie viel Sonne die Nachbarn übrig lassen.
Kurz gesagt: In Wien darf ein Balkonkraftwerk höchstens 800 Watt Wechselstromleistung haben, in Summe aller Geräte. Es muss vor der Inbetriebnahme bei Wiener Netze angemeldet werden und darf zwei Wochen danach laufen, wenn nichts abgelehnt wird; in der Mietwohnung braucht es die schriftliche Erlaubnis der Vermieterin oder des Vermieters. Senkrecht am Geländer bringt ein 800-W-Modul ohne Verschattung nach Süden rund 660 kWh im Jahr, nach Westen oder Osten rund 460, nach Norden 160 — eine Förderung der Stadt gibt es dafür nicht.
Was in Wien gilt
- Höchstens 800 Watt in Summe (0,8 kVA Wechselstrom). Zwei Anlagen mit 400 W sind erlaubt, mehrere mit 800 W nicht; darüber braucht es einen Antrag auf Netzanschluss durch eine Elektrikerfirma.
- Vor der Inbetriebnahme bei Wiener Netze anmelden, über das Online-Formular. Wiener Netze nimmt den Anschluss nur zur Kenntnis: wird er binnen zwei Wochen ab der Anmeldung nicht abgelehnt, darf die Anlage laufen. In dieser Zeit wird der Zähler geprüft und wenn nötig getauscht.
- Kein Schutzkontaktstecker: er ist nach ÖVE E 8101 für den Anschluss von Erzeugungsanlagen verboten. Wiener Netze verlangt, dass eine Elektrikerfirma die Installation vorher prüft.
- Geprüftes Gerät: ein Konformitätsnachweis (TOR Erzeuger, OVE E 8101 Teil 7-712) und eine selbsttätige Netzentkopplung, meist im Wechselrichter.
- Mietwohnung: die schriftliche Erlaubnis der Vermieterin oder des Vermieters. Eigentumswohnung: seit 1. September 2024 gilt die Zustimmung als erteilt, wenn das Vorhaben bekanntgegeben wurde und die anderen Eigentümer*innen zwei Monate nicht reagiert haben.
- Baubewilligung im Grünland-Schutzgebiet, bei Bausperre und in Schutzzonen — ob das zutrifft, zeigt der Flächenwidmungs- und Bebauungsplan.
- Keine Vergütung, keine Förderung: eingespeister Überschuss wird nicht bezahlt; die Stadt fördert nur fest montierte Anlagen über 1 kWp mit eigenem Zählpunkt.
Was es nach Ausrichtung bringt
| Fensterfront | Ertrag | höchstens gespart |
|---|---|---|
| Süd | 660 kWh | bis 180 € |
| West | 460 kWh | bis 130 € |
| Ost | 450 kWh | bis 120 € |
| Nord | 160 kWh | bis 40 € |
„Höchstens gespart" heißt: jede erzeugte Kilowattstunde selbst verbraucht, zu 27,5 Cent (was eine zusätzliche kWh in Wien kostet). Was die Wohnung in dem Moment nicht braucht, fließt ins Netz und wird nicht vergütet — wie groß dieser Teil ist, hängt daran, was gerade läuft, und dafür gibt es keinen belegten Wert. Die Erträge gelten ohne Verschattung; Nachbarhäuser, Balkon darüber und Geländer nehmen etwas weg.
Für eine bestimmte Adresse zeigt Azima, wohin die Fensterfront zeigt, wie viele Stunden direkte Sonne sie über das Jahr bekommt und ob das Haus in einer Schutzzone steht.
Häufige Fragen
Muss ich ein Balkonkraftwerk in Wien anmelden?
Ja. Wiener Netze muss vor der Inbetriebnahme informiert werden, über das Online-Formular. Wird die Anlage binnen zwei Wochen ab der Anmeldung nicht abgelehnt, darf sie laufen.
Wie viel Watt sind erlaubt?
Höchstens 0,8 kVA, also 800 Watt Wechselstromleistung in Summe — zwei Anlagen mit 400 W, aber nie mehrere mit 800 W. Darüber braucht es einen Antrag auf Netzanschluss durch eine Elektrikerfirma.
Brauche ich die Erlaubnis des Vermieters?
In der Mietwohnung ja — schriftlich, laut Stadt Wien. In der Eigentumswohnung gilt seit 1. September 2024 die Zustimmung als erteilt, wenn das Vorhaben bekanntgegeben wurde und die anderen Eigentümer*innen zwei Monate nicht reagiert haben.
Was bringt es auf einem Nordbalkon?
Ohne Verschattung rund 160 kWh im Jahr — weniger als ein Viertel eines Südbalkons (660 kWh). Nachbarhäuser nehmen beiden noch etwas weg; Azima rechnet die direkte Sonne an deiner Fensterfront.
Gibt es in Wien eine Förderung?
Nein. Laut Stadt Wien kann für Balkonmodule keine PV-Förderung beantragt werden; gefördert werden nur fest montierte Anlagen über 1 kWp mit eigenem Zählpunkt.
Quellen: Wiener Netze, „Balkonkraftwerk" (Kleinsterzeugungsanlagen) · Stadt Wien, Wiener Sonnenstrom-Offensive, „Photovoltaik-Balkonmodule in Wien" · EU-Kommission JRC, PVGIS 5.3 (SARAH3, 48,208° N 16,373° O, senkrecht, 14 % Systemverluste), abgefragt am 23. Oktober 2026. Strompreis wie im Solar-Rechner (Wien Energie, Wiener Netze, Oktober 2026). Keine Rechts- oder Elektroberatung.
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