Was die Nachbarn noch bauen dürfen — und wie viel Sonne dir dann bleibt
Eine Wohnung wird für die Sonne gekauft, die sie heute hat. Ob sie die in zehn Jahren noch hat, entscheidet die Bauklasse der Häuser ringsum: wer niedriger steht, als er darf, kann aufstocken. Azima hebt jedes Nachbarhaus auf die Obergrenze seiner Bauklasse und rechnet die drei Stichtage noch einmal — heute gegen ausgebaut.
Im Dachmodell der Stadt steht, was gebaut ist, im Flächenwidmungsplan, was gebaut werden darf. Dazwischen liegt in vielen Wiener Gassen ein ganzes Geschoß: ein Biedermeierhaus mit zwölf Metern Traufe in Bauklasse III darf auf sechzehn wachsen, der Gründerzeitblock daneben steht schon darüber. Für die Wohnung gegenüber ist das der Unterschied zwischen Wintersonne und keiner.
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Die Rechnung ist absichtlich die Obergrenze: jedes Nachbarhaus steigt senkrecht bis zur zulässigen Höhe, ohne Dach, ohne Rücksprung, ohne die Frage, ob je jemand baut. Das macht sie nicht zur Prognose, sondern zur Auskunft, wie viel Licht im schlechtesten erlaubten Fall bliebe. Steht dort eine Zahl nahe null, ist das kein Urteil über die Wohnung — es ist eine Frage, die man vor dem Kauf stellen sollte.
Häufige Fragen
Heißt das, die Nachbarn werden aufstocken?
Nein. Es heißt nur, dass sie es nach der Bauklasse dürften. Ob, wann und wie gebaut wird, sagt kein Register; eine Schutzzone oder eine engere Höhe im Bebauungsplan kann es auch ganz ausschließen.
Warum heute und ausgebaut nebeneinander?
Weil die Differenz die Frage ist: ein Paar wie „heute 2,4 Stunden, ausgebaut 0,5" sagt mehr als jede der beiden Zahlen allein — und „heute" ist dieselbe Zahl, die das Licht-Widget für dieses Geschoß zeigt.
Gilt das für jedes Geschoß?
Gerechnet wird auf zwei Höhen: vom Erdgeschoß bis zum zweiten Stock und ab dem dritten Stock — dieselben zwei Stufen wie die übrigen Zahlen der Seite. Weiter oben geht meist weniger verloren, weil auch die ausgebauten Nachbarn seltener über die Augenhöhe reichen.
Was ist mit Bäumen?
Bäume sind in der Ansicht dargestellt, verschatten in der Rechnung aber nicht — auch nicht im ausgebauten Fall. Ein Baum wächst, wird geschnitten und verliert im Winter sein Laub; ein Haus tut das nicht.
Steht das im Bericht?
Ja, als Satz auf dem Blatt „Für das Gespräch": wie viele Nachbarhäuser noch wachsen dürfen und wie viel Sonne am schwersten Stichtag verloren ginge. Ein gemessener Nachteil wird nicht weggelassen, er wird erklärt.
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Grundlage: Dachmodell LoD2.1 und Flächenwidmungsplan der Stadt Wien (data.wien.gv.at, CC BY 4.0), Bauklassen nach § 75 BO Wien, Sonnenstände astronomisch gerechnet. Die Obergrenze eines Risikos — keine Prognose, keine Rechtsauskunft.