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🟧 Wohnen an besonderen Orten

Wohnen in der Sargfabrik — wie lebt es sich dort?

Kurz und ehrlich: Man wohnt in Österreichs größtem selbstverwaltetem Wohnprojekt, auf dem Grund einer Sargfabrik aus dem 19. Jahrhundert, in 112 Einheiten mit Badehaus, Dachgarten und Veranstaltungssaal, die Straßenbahn vor der Tür, Schönbrunn ein paar Gassen weiter. Der Kompromiss: Eingezogen wird über den Verein, nicht über ein Inserat — und wer hier wohnt, wohnt mit rund 200 anderen.

Stand Oktober 2026

Living Snapshot — die Wohnlage in Zahlen

Die Sargfabrik ist in den Daten der Vienna Living Map kein eigenes Grätzl — bewertet werden die Wohnlagen ringsum: Breitensee knapp einen Kilometer westlich und das Grätzl um Schönbrunn rund einen Kilometer südlich, jenseits des Wientals.

Was den Alltag prägt

Der Name ist wörtlich gemeint. An der Goldschlagstraße stand seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die Sargfabrik Maschner & Söhne, einst die größte Sargtischlerei Österreich-Ungarns; ab 1970 lag das Gelände brach. Im Herbst 1986 gründeten rund 30 Menschen den Verein für Integrative Lebensgestaltung — bis April 1988 hieß er „Utopisches Zentrum" —, im Mai 1989 kaufte er das Grundstück um 13 Millionen Schilling. Gebaut wurde ab 1994 nach Plänen von BKK-2, bezogen im Herbst 1996: 73 Wohneinheiten auf 0,47 Hektar, dazu 2.000 Quadratmeter Gemeinschaftsflächen. Noch im selben Jahr gab es dafür den Adolf-Loos-Preis und den Österreichischen Bauherrenpreis.

Was anders ist, steht im Grundbuch: Die Sargfabrik ist rechtlich ein Wohnheim, kein Wohnhaus. So durften die Räume 2,26 statt 2,50 Meter hoch sein, die Gemeinschaftsflächen bekamen Förderung, und statt eines Stellplatzes je Wohnung reichte einer je zehn. 15 Prozent der Einheiten sind für Menschen mit Behinderung, ältere und gefährdete Menschen reserviert, sieben für Wohnen auf Zeit, zwei für junge Geflüchtete, dazu eine Gemeinschaftswohnung mit 400 Quadratmetern. Im September 2000 kam in der Missindorfstraße 10 die Miss Sargfabrik dazu, 39 Wohnungen von BKK-3, ausgezeichnet mit dem Betonpreis 2001 und dem Berliner Kunstpreis 2002. Das Kinderhaus lief von 1996 bis 2024; das Badehaus mit 350 Quadratmetern, der Saal für 120 bis 300 Menschen und die Kant_ine (seit Juli 2015) sind geblieben.

Was überraschend gut funktioniert

Ruhig und kühl für Wiener Verhältnisse: Im nächsten Grätzl, Breitensee, liegt die Ruhe bei 8,0 (Wiener Median 6,8), der modellierte Sommerhitze-Index bei 53 von 100 (Median 56). Die Straßenbahnen 10 und 49 halten an der Linzer Straße vor der Tür, die U3 Johnstraße liegt rund elf Gehminuten entfernt.

Grün und Wasser sind nah: der Auer-Welsbach-Park am Technischen Museum rund vier Gehminuten entfernt, dahinter der Wienfluss und Schönbrunn. Und im Haus selbst: ein Dachgarten mit Bäumen, Beeten und Sitzplätzen, das Badehaus mit Warmwasserbecken, Sauna und Tepidarium.

Was man bewusst in Kauf nimmt

Hier zieht man nicht ein, man tritt bei: Die Wohnungen vergibt der Verein. Wer kommt, zahlt einen Grundkapital-Beitrag (indexiert, beim Auszug zurück), laufende Kreditraten, Betriebskosten und einen Solidarbeitrag für Mitglieder in Not — und wohnt mit rund 110 Erwachsenen und 45 Kindern, mit Arbeitsgruppen und Ehrenamt. Wer anonym wohnen will, ist hier falsch.

Die Räume sind niedriger als im Altbau ringsum: 2,26 Meter, möglich nur, weil das Haus ein Wohnheim ist. Und die Wohnungen heißen nicht umsonst „Boxen" — das Große liegt in den Gemeinschaftsflächen, nicht in der eigenen Wohnung.

20 Minuten Alltag

Fünf Stationen, ein Abend nach der Arbeit — jede Beobachtung gilt genau hier, nicht überall.

  1. Linzer Straße 17:30
    Die Haltestelle der Straßenbahnen 10 und 49, wenige Schritte vom Tor. Von hier fährt die 49 bis zum Ring, die 10 nach Hietzing und Dornbach.
  2. Goldschlagstraße 169 17:32
    Die Sargfabrik: orange Fassaden von 1996, innen der Hof, das Badehaus, der Saal, die Kant_ine. 73 Einheiten, 2.000 Quadratmeter für alle.
  3. Missindorfstraße 10 17:37
    Die Miss Sargfabrik von 2000: 39 Wohnungen, Bibliothek und Gemeinschaftsküche, der zweite Bau desselben Vereins, zwei Preise.
  4. Auer-Welsbach-Park 17:43
    Der Park am Technischen Museum, rund vier Gehminuten von der Sargfabrik: große Wiesen, alte Bäume, der Blick auf das Museum.
  5. Schönbrunner Schloßbrücke 17:50
    Über den Wienfluss, und auf der anderen Seite beginnt Schönbrunn. Von der Sargfabrik aus ist das der Abendspaziergang.

Für wen passt es?

Für alle, die Gemeinschaft als Teil der Wohnung verstehen — Badehaus, Dachgarten und Saal als eigene Räume, die man teilt — und mit der Straßenbahn vor der Tür täglich fahren. Wer eine Wohnung sucht, die man kauft oder mietet und dann für sich hat, sucht woanders; hier entscheidet der Verein, und die Decken sind niedrig.

Licht je Geschoß prüfen

Die Sargfabrik steht in einem Block aus Gründerzeithäusern und Hofbauten: Wie viel Sonne an ein Fenster kommt, hängt an Hof, Seite und Geschoß. Der Licht-Check rechnet für Adresse und Geschoß, wann direkte Sonne an die Fenster kommt — am 21. Juni und am 21. Dezember, aus den amtlich gemessenen Höhen der Nachbarhäuser. Die Vorschau für ein Zimmer ist kostenlos. Zum Licht-Check →

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Methodik & Quellen

Geschichte, Zahlen, Rechtsform und Preise: Wikipedia, Artikel „Sargfabrik (Wien)". Einrichtungen und Vereinsmodell: sargfabrik.at. Firmenname der Fabrik: museum-digital, „Sargfabrik Julius Maschner & Söhne (Wien)". Alle gelesen am 12.10.2026. Ruhe und Sommerhitze: eigene Daten der Vienna Living Map für das Grätzl Breitensee; Gehminuten aus der Luftlinie mal 1,3 bei 80 Metern je Minute.

Häufige Fragen

Was ist die Sargfabrik?

Österreichs größtes selbstverwaltetes Wohnprojekt im 14. Bezirk, Goldschlagstraße 169: 1996 vom Verein für Integrative Lebensgestaltung auf dem Grund der ehemaligen Sargfabrik Maschner & Söhne bezogen, 73 Wohneinheiten mit Badehaus, Dachgarten, Veranstaltungssaal und Restaurant. Im Jahr 2000 kam die Miss Sargfabrik in der Missindorfstraße mit 39 Wohnungen dazu.

In welchem Bezirk liegt die Sargfabrik?

Im 14. Bezirk, Penzing, Postleitzahl 1140, zwischen Linzer Straße und Goldschlagstraße. Die Straßenbahnen 10 und 49 halten an der Linzer Straße, die U3 Johnstraße liegt rund elf Gehminuten entfernt.

Kann man in der Sargfabrik wohnen?

Ja, aber nicht über ein Inserat: Die Wohnungen vergibt der Verein, und wer einzieht, wird Mitglied — mit Grundkapital-Beitrag, laufenden Kreditraten, Betriebskosten und einem Solidarbeitrag. 112 Einheiten gibt es in beiden Häusern zusammen, für rund 200 Menschen.

Warum ist die Sargfabrik ein Wohnheim?

Weil die Rechtsform drei Dinge möglich machte: Raumhöhen von 2,26 statt 2,50 Metern, Förderung für die Gemeinschaftsflächen und nur einen Stellplatz je zehn Einheiten. Dafür heißen die Wohnungen „Boxen", und das Große liegt im Gemeinsamen.

Was war die Sargfabrik früher?

Die Sargfabrik Maschner & Söhne, gegründet Ende des 19. Jahrhunderts, einst die größte Sargtischlerei Österreich-Ungarns. Ab 1970 stand das Gelände leer, 1989 kaufte es der Verein um 13 Millionen Schilling.

Wie lebt es sich in der Sargfabrik?

Ruhiger und kühler als im Wiener Mittel, in den Daten des Grätzls Breitensee, mit Straßenbahn vor der Tür, Park und Schönbrunn in Gehweite und einem Badehaus im Haus. Dafür niedrige Decken, kleine Wohnungen und ein Leben, das man mit rund 200 Menschen teilt. Einen eigenen Score hat die Sargfabrik nicht; das Grätzl Breitensee erreicht 85 von 100.

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